Maßarbeit

Maßarbeit

Holzleisten irgendwie auf dem Rumpf eines Bootes anbringen kann jeder, Schreinermeister Stefan Schnebelt nicht.  Er ist Perfektionist aus Leidenschaft und die Kielleisten, die er für die „Rheingold“ fertigt, tragen die Handschrift eines Könners. Jede Leiste wird aus zwei Teilen zusammengesetzt, die an den Stößen verzahnt sind. Zuerst fertigt er Schablonen an, mit deren Hilfe er jede Unregelmäßigkeit und jede Krümmung des Rumpfes auf die künftigen Kielleisten übertragen kann. Dann wird gesägt, gehobelt und geschliffen. Unzählige Male legen wir die Leisten auf den Rumpf der „Rheingold“ bis sie so gut passen, dass Stefan Schnebelt zufrieden ist und sie mehrfach mit Bootslack lackiert werden können.

Schraublöcher werden gebohrt

Die Zeit drängt

Uns bleiben nur noch zwei Tage, um die Kielleisten auf den Rumpf der „Rheingold“ zu montieren, denn das THW will die Barke am bereits Dienstag umdrehen. Die Kielleisten sollen mit versenkten Schrauben und zusätzlich mit Silikonkleber am Rumpf befestigt werden. Das klingt einfach, erfordert aber einiges an vorbereitenden Arbeiten.

Jetzt ist Arbeitsmarathon angesagt

 

Gastschrauber Thomas bohrt die vom Lack teilweise verklebten Schraublöcher am Rumpf der Barke auf, Stefan Schnebelt bohrt die Löcher für die Schrauben in die Leisten, der Rumpf und die Leisten werden mit Klebeband so abgeklebt, dass überschüssiger Kleber keine unschönen Stellen hinterlassen kann. Nach diesen zeitraubenden Vorarbeiten kommt endlich der heiß ersehnte Moment, die erste Kielleiste wird auf den Rumpf geklebt und geschraubt. Natürlich dauert es länger als wir gerne hätten, die Leiste will erst einmal nicht so recht passen. Thomas liegt unter der Barke, denn die Leisten werden von oben und von unten verschraubt. Staub und Kleber rieseln und tropfen auf ihn, auf einem zum Rollsitz umfunktionierten Pflanzenroller rutscht er von Bohrloch zu Bohrloch und dreht die Schrauben nach Stefans Anweisungen hinein und wieder hinaus, wenn die Leiste nicht so recht passen will. Endlich, endlich ist es soweit, die erste Kielleiste ist montiert, von oben und von unten verschraubt, die Silikonfugen an den Seiten gezogen, die Bohrlöcher mit Zapfen verklebt, die noch abgehobelt werden müssen, wenn das Harz getrocknet ist.

Schrauben unter erschwerten Bedingungen
Schrauben unter erschwerten Bedingungen
Die erste Kielleiste ist montiert!
Die erste Kielleiste ist montiert!

Neuer Tag, neues Glück

 

Noch vier Leisten müssen montiert werden, das sollte doch an einem Tag zu schaffen sein.  Erneut nehmen wir den Kampf auf mit Leisten, die nicht da angeschraubt werden wollen, wo sie hin sollen, mit Klebeband, das sich nicht einfach abziehen lässt, sondern in kleine Teilchen zerfetzt, mit Silikonkleber, der auch da klebt, wo er überhaupt nichts zu suchen hat, mit dem Innenleben der Barke, das dem Akkuschrauber nur zu oft den einfachsten Weg zu den Bohrlöchern versperrt. Langsam aber unaufhaltsam wird Leiste um Leiste montiert, ab und an ein verstohlener Blick auf die Uhr. Als das letzte Fitzelchen Klebeband abgezogen und die letzte unschöne Stelle in einer Silikonfuge geglättet ist, ist es neunzehn Uhr. Wir gönnen uns zwei Minuten, um unser Werk zu bewundern, es sieht einfach toll aus, die Leisten schmiegen sich wie angegossen an den Rumpf der Barke.

Silikonfugen werden gezogen
Silikonfugen werden gezogen
Die Unterseite ist fertig!
Die Unterseite ist fertig!

Das THW rückt an

 

Dann bleibt gerade noch genug Zeit, die Halle aufzuräumen und zu fegen, schon rückt das THW mit seinem schweren Kranwagen an, der direkt in die Halle fährt. Alles klappt wie am Schnürchen. Der Kranarm wird ausgefahren, die Gurte unter der Barke durchgezogen, die „Rheingold“ sanft angehoben und in den Gurten gedreht. Derweil sägt Stefan Schnebelt noch rasch ein paar Klötze zu, die an den Seiten unter die Barke gelegt werden, um zu verhindern, dass sie mit dem Kiel aufliegt. Keine halbe Stunde später verabschieden sich die Männer vom THW auch schon wieder und wir können mit dem Gefühl nach Hause gehen, dass erst einmal ein großer Teil der Arbeit getan ist.

Die Barke ist wieder umgedreht
Die Barke ist wieder umgedreht

 

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